Teil drei der Reihe aus meinem Auslandssemster in Stockholm. Meine Zeit in der schwedischen Hauptstadt ist vorbei. Wie es mir im letzten Monat so ging erfahrt ihr hier. Ich habe zu verschiedenen Zeitpunkten innegehalten und dokumentiert was mir so im Kopf rumging. 

12. November 2018 

Klick, klick und damit ist es erledigt, der Rückflug nach Deutschland ist gebucht. Am 19.12. um 12:35Uhr geht es zurück nach Hause. Heute ist der 12.11. und ich fühle mich merkwürdig sentimental nach diesem Buchungsprozess. Gerade ist es in unserer WG sehr ruhig, einer meiner sieben Mitbewohner sitzt mir gegenüber und arbeitet am Laptop während HONNEs entspannte Klänge aus dem Lautsprecher dringen und ich nach draußen in den dunklen Wald vor unserem Haus schaue. 

Kennt ihr das wenn in Filmen manchmal etwas im Schnelldurchlauf abläuft? So fühle ich mich grade, die letzten Monate hier – im Schnelldurchlauf. Es ist noch nicht vorbei, aber schon seit die Hälfte überschritten wurde sitzt uns allen der Abschied schon im Nacken. Fremde wurden Mitbewohner und Mitbewohner zu richtig guten Freunden, und das alles in so kurzer Zeit. Es kommt einem ein bisschen wie ein sehr lebhafter Traum vor – und das soll in etwas mehr als einem Monat schon vorbei sein? Es steht doch noch so viel auf der Liste. Naja, ich werde den Gedanken noch ein wenig verdrängen und hier ein paar Tage vor Abflug weiterschreiben. 

27. November 2018 

Die drei Phasen des Auslandsaufenthalts 

Lasst es mich doch mal so formulieren; am Anfang, wenn man gerade angekommen ist und die folgenden Wochen fühlt es sich an wie ein Urlaub der immer länger wird, es passiert viel aber man fühlt sich noch ein bisschen wie auf Reisen, fremd und als wäre es bald wieder vorbei. Dann kommt die nächste Phase, die Phase in der man angekommen ist. Das Urlaubsgefühl ist verschwunden, dafür macht sich ein Gefühl der Routine breit und alles fühlt sich an wie, sagen wir mal, fühlt sie an wie immer. Wie zu Hause, man lebt einfach sein Leben mit seinen Routinen, Parties, Kurztrips und Erkundungen in der Stadt. Und dann ganz allmählich, schleicht sich die dritte Phase ein. Ganz genau wie beim Übergang von der ersten zur zweiten Phase kommt die Dritte ganz langsam. Alles ist wie immer, doch irgendwann kommt der Moment wenn man auf den Kalender blickt und bemerkt das schon über die Hälfte, wenn nicht sogar mehr als zwei Drittel der Zeit im Ausland vorbei sind. Einmal im Kopf hält sich der Gedanke hartnäckig, und bei jeder Unternehmung, Routine oder Party flüstert der Abschied schon leise im Hinterkopf die Worte „nur noch drei Wochen“. An diesem Punkt bin ich gerade angekommen. 

19.12.18 – Rückflug 

„I hope you had a comfortable stay here in Stockholm and we wish you a pleasant flight“ – ertönt die Stimme des Captains.  Turbinen starten, ich werde in den Sitz gedrückt und wir sind in der Luft. Ich erhasche einen letzten Blick durch das Fenster hinter mir auf die Stadt, in der so viel passiert ist, bevor wir in einer Wolke verschwinden. Während Nelly Furtado’s „All good things“ in meine Ohren dringt kullern leise ein paar Tränen mein Gesicht runter. Da bin ich also denke ich, der Idiot der im Flugzeug heult. Ich musste mir den dicken Klos im Hals schon vor zwei Stunden verdrücken als ich zur Tür raus bin und mir meine fünf Lieblingsmitbewohner hinterher gewunken und dann aus dem Fenster gerufen haben. Jetzt hier oben, mehrere tausend Meter über allem kommt dann aber doch irgendwie alles hoch, alle Gefühle auf einmal, und all die Erinnerungen an das letzte halbe, großartige Jahr – und mehr gibt es auch gar nicht zu sagen als „es war großartig“, denn sonst kommt man aus dem erzählen gar nicht mehr raus. 

Mit diesen Worte beende ich diesen Artikel aus der Reihe „Mein Auslandssemester in Stockholm“. Ihr hört dann wieder im neuen Jahr von mir wenn ich von weiteren Erlebnissen berichte. Vi ses!

 

Den ersten oder zweiten Teil verpasst? Hier gehts lang:

Mein Auslandssemester in Stockholm: Teil I

Mein Auslandssemester in Stockholm: Teil II

(Visited 107 times, 1 visits today)

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.