27. Dezember, 10:02 Uhr: Ich sitze im Zug von Karlsruhe nach Stuttgart, warte das er losfährt und den Bahnhof verlässt. Zeit sich ein paar Gedanken zum vergangenen Jahr zu machen – denke ich mir. 2017 war ganz schön voll, ein Jahr voller Veränderungen und getroffenen Entscheidungen.

Denken, Denken und Denken (& Wein verkaufen)

Aber fangen wir mal ganz von vorne an, genauer gesagt im letzten Januar. Mehr oder weniger kurz davor einen längeren Auslandsaufenthalt hinter mich gebracht, bin ich ziemlich planlos ins neue Jahr gestartet. Wollte ich vor einem halben Jahr noch überall hin fühlte ich mich plötzlich wieder sehr heimatverbunden. Zu dieser Zeit hatte ich gerade 6 Monate meinen Bachelor in der Tasche und wortwörtlich keinen Plan wie es jetzt genau weitergehen sollte. Neben meiner Planlosigkeit arbeitete ich in einer Bar/Restaurant. Das war also die Ausgangssituation 2017. Durch meinen Job hatte ich relativ viel Zeit in der Woche für mich (ca. 70%). Die meisten beneiden mich jetzt wahrscheinlich aber ich denke, wenn man so viel Zeit zur Verfügung hat wird man schnell antriebslos und langsam. Das klingt jetzt alles ziemlich negativ aber eigentlich war es eine ziemlich gute Zeit, im Nachhinein denke ich, dass ich noch nie in meinem Leben so viel Zeit hatte über mich, meine Umwelt und meine Ziele nachzudenken.

Welcome to Adult Life

Diese Zeit des Nachdenkens und vor sich Hintreibens fand ein plötzliches Ende als ich die Zusage zu meiner ersten richtigen Festanstellung bekam. Auf eimal war ich „Junior Account Manager“ in einer von Deutschlands größten Werbeagenturen. Ziemlich cool oder? Fand ich auch. Mein Alltag krempelte sich von einem Tag auf den anderen komplett um. Wo ich zuvor das Gefühl hatte ich habe viel zu viel Zeit und denke zu viel nach, habe ich jetzt gar keine Zeit mehr. Und apropos Zeit, die rauschte jetzt nur so an mir vorbei. Tage werden zu Wochen, Wochen zu Monaten und ehe man sich umschaut ist Sommer. Was habe ich in den letzten paar Monaten gemacht? Auf jeden Fall eine solide Alltagsroutine entwickelt. Montag bis Freitag 09:00-18:00Uhr zur Arbeit, mal ein paar Überstunden gemacht, mal ein paar Tage Urlaub genommen. Daneben aber auch unglaublich viel mitgenommen. Ich konnte zum ersten Mal mein erlerntes Wissen aus der Uni in der Praxis anwenden und definitiv an meinen Aufgaben wachsen. Auch wenn es einem nicht so vorkommt, neben der Arbeit gab es auch noch ein Privatleben. Und das war voller Wochenende mit Berno und meinen Freunden, Grillen, ganz viel Sonne im Park oder auf dem Balkon tanken, Kurztrips und einige Partynächten in Stuttgart. Nicht zu vergessen dass Berno und ich beschlossen haben diesen Blog zu starten (der Prozess war ein bisschen langwieriger). Doch all diese Freizeitaktivitäten nahmen gefühlt nur 20% meiner Zeit ein, der Rest war Arbeit. Ich denke um wirklich glücklich mit seiner Arbeit zu sein müssen zwei Faktoren erfüllt sein. Entweder das Gehalt ist super und deine Aufgaben sind okay oder deine Aufgaben sind super und dein Gehalt ist okay. Bei mir war beides nur „okay“. Daher schlich sich langsam aber sicher der Gedanke nach einer Alternative ein. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen das jetzt für den Rest meines Lebens zu machen. Ich kam mir noch viel zu jung und frei vor um mich von einem Job in solche Bahnen pressen zu lassen. Der kleine Gedanke wurde schnell immer größer und schon googelte ich nach unterschiedlichen Masterstudiengängen und schickte meine Bewerbungen ab. Plötzlich war Anfang August und ich sagte mit einem lachenden und einem weinenden Auge dem Agentur-Life Goodbye und war zur Tür raus.

Ein freier Sommer

Zurückgewonnene Freiheit! Was mich am Anfang des Jahres stolpern lies habe ich mir jetzt wie nichts sonst herbeigesehnt. Aber danach ist man ja immer schlauer – sagt man zumindest so. Naja, ich genoss den Sommer auf jeden Fall ausgiebig in Spanien mit viel Strand, Meer, Sonne und Berno. (Eindrücke dazu findet ihr hier, hier und hier.) Doch nicht nur im Ausland war plötzlich alles schöner, ich hing ein paar Tage in München ab, war am Bodensee und den Rest der Zeit arbeitete ich in der besten Pizzeria Stuttgarts, what a life. Als es in Deutschland langsam auf den Herbst zu ging beschloss ich spontan der Realität zu entfliehen um mich auf der Geschäftsreise eines guten Freundes nach New York anzuschliessen. Eine der besten spontanen Entscheidungen die ich je getroffen habe. Die 6 Tage NYC taten mega gut. Abgesehen von der Wahnsinns-Stadt hatte ich einfach eine richtig gute Zeit mit Freunden, gutem Essen, Partynächten und fast jeden Tag 30 Grad (impressions here). Der Kopf wurde frei und in mir wurde irgendwas auf Reset gesetzt. Bereit für einen neuen Lebensabschnitt, neue Freunde und neuen Input.

Zurück auf die (Hoch-)Schulbank

Am Abend vor dem ersten Tag zurück in der Uni und im Masterstudium habe ich mich ausgiebig mit der Frage beschäftigt wie es wohl sein wird wieder zu studieren. Nach ein bisschen mehr als einem Jahr Pause voller unterschiedlicher Tätigkeiten plötzlich wieder eine Konstante für die nächsten 1,5 bis 2 Jahre zu haben. Am nächsten Tag ging es dann los und lasst euch gesagt sein, mit nur einem Fingerschnips ist man wieder Student. Nichts fühlte sich komisch oder falsch an. Und meine anfängliche Sorge keine coolen Leute kennenzulernen oder neue Freunde zu finden löste sich nach dem zweiten Tag auch direkt in Luft auf. Es war wie im ersten Semester Bachelor. Neue Crew, neues Studium, neue Erfahrungen, nur die Stadt war dieselbe. Und so verstrichen auch die letzten drei Monate des Jahres. Doch diese Routine gefällt mir viel besser, ich habe mehr Zeit für mich und in der Uni sitzt man zwar an herausfordernden Aufgaben, ist aber die ganze Zeit von Freunden umgeben. Der Alltag als Student ist dann doch ein anderer, vor allem gibt es keine klare Trennung was Arbeit und Privatleben angeht. Abgeschlossen habe ich das Jahr damit meinen 25. Geburtstag insgesamt 3 Tage hintereinander mit fast allen wichtigen Menschen zu feiern.

Wir fahren durch dunkle Tunnel und der Lokführer sagt über die Lautsprecher „Nächster Halt, Stuttgart Hauptbahnhof“. Das war sie also, die Fahrt durch mein letztes Jahr. Ein Jahr in dem ich vielleicht das Meiste über mich gelernt habe und in dem vieles Neues und sehr gutes entstanden ist. Ich speichere das Dokument und klappe meinen Laptop zu, bereit zum aussteigen und loslaufen.

Berno und eine Lichterkette
Berno und eine Lichterkette

Für mich war 2017 ein sehr erlebnisreiches Jahr mit vielen großen Entscheidungen. Eine neue Stadt kann ich mein Zuhause nennen und ich entscheide mich „vegetarisch“ zu ernähren. Lest selbst, wie ich rückwirkend mein Jahr empfunden habe:

Stress – Gleich am Anfang

Mein Jahr begann sehr stressig. Am Anfang des Jahres 2017 befinde ich mich mitten im 3. Semester meines Studiums. Letzte Präsentationen und Abgaben mussten vorbereitet werden und drei Klausuren standen an. Jeder der auch studiert oder studiert hat, weiß was das bedeutet: Viele Gruppentreffen, lernen bis einem der Kopf raucht und das jeden Tag. Ende Januar stand der Abschluss eines großen Projekts an und es war sehr erfolgreich. Ein tolles Gefühl, wenn man lange an einer Sache gearbeitet hat und das Feedback danach so gut ausfällt. Während meines dritten Semesters arbeitete ich zusätzlich als Werkstudent in einer Werbeagentur. Dort konnte ich in einem tollen Team viel Erfahrung sammeln und vom Uni-Alltag in den Arbeitsalltag flüchten. Genau diese Balance half mir die Prüfungsphase mit wachem Kopf zu überstehen.

Verschnaufpause

Meine wohlverdienten Semesterferien verbrachte ich in der Heimat am Bodensee. Die Tage waren geprägt von Kaffee trinken mit alten Freunden, Spieleabende mit der Familie und sonnige Spaziergänge am Bodensee. Leider waren die Ferien viel zu kurz und schnell nahm mich das 4. Semester wieder ein. Kurse mussten gewählt werden, neue Projektgruppen mussten gefunden und neue Ideen entwickelt werden. Ende März stand mein Geburtstag an. Daniel und ich feierten gemeinsam rein, tagsüber verbrachte ich meinen Geburtstag in der Uni und mittags saßen wir im Garten mit Kaffee und Kuchen. Ein toller Tag! Am darauffolgenden Wochenende wurde eine große Party in meiner WG geschmissen, welche abrupt durch Beschwerden der Nachbarn endete. Tja, man feiert eben nur einmal im Jahr seinen Geburtstag. Das Semester nahm seinen Lauf und Erholung gab es an den sonnigen Tagen im Schlossgarten in Stuttgart. Einfach ein herrliches Gefühl – Sonne, Freunde und gute Laune.

Prägende Entscheidungen

Im 5. Semester stand das Praxissemester vor der Tür und es galt sich im 4. Semester zu entscheiden, in welche Richtung der berufliche Werdegang gehen soll. Welche Branche? Welcher Bereich? Welche Stadt? Viele schwierige Entscheidungen standen an. Ich entschloss mich nur zwei Bewerbungen ab zu schicken, da ich nur diese Stellenausschreibungen und Unternehmen wirklich spannend und passend fand: Eine Werbeagentur in Berlin und ProSiebenSat.1 in München. Zwei verschiedene Städte standen zur Wahl und Stellen in zwei völlig unterschiedlichen Bereichen – Projektmanagement in einer Werbeagentur oder Produktion beim Sender? Mir fiel die Entscheidung nicht leicht, doch am Ende wurde es München und ProSiebenSat.1. Im Nachhinein bin ich wirklich froh über diese Entscheidung. Zuerst einmal ist München Stuttgart keine weite Strecke und Daniel und ich können uns regelmäßig sehen. Außerdem ist München eine wunderschöne Stadt, in der ich mich mittlerweile sehr wohlfühle. Und schlussendlich verstehe ich mich mich mit meinen Arbeitskollegen der Abteilung sehr gut, habe viel Eigenverantwortung und mag meine Aufgaben.
Eine weitere prägende Entscheidung fiel mitten in den Semesterferien in der Heimat: Ich werde Vegetarier und verzichte auf sämtliche Fleisch- & Fischprodukte. Schon lange hatte mich der Gedanke gepackt vegetarisch oder vegan zu leben: Die Massentierhaltung soll nicht durch meinen Konsum unterstützt werden. Seit ich von zu Hause ausgezogen war und ich für mich selbst kochte, verzichtete ich oft auf Fleisch, aber kochte es dennoch regelmäßig. Was für ein Nutzen hatte ich davon? Keinen – so entschied ich Ende Juli. Seither ernähre ich mich fleischlos. Unregelmäßig und nur wenn mein „Fleischbedürfnis“ zu groß ist esse ich Fisch. Für mich ist meine Ernährungsumstellung ein großer Erfolg. Der Pescetarier (Vegetarier, die Fisch essen) ist weit mehr als eine Alternative.

Ein wechselhafter Sommer

Am 1. August bin ich dann mit Hilfe von Daniel von Stuttgart nach München gezogen. Ich hatte wirklich Glück, dass ich über Kontakte sehr schnell und ohne große Suche, ein tolles WG-Zimmer zur Zwischenmiete gefunden hatte. Der 1. August war der heißeste Tag im Jahr und gerade an diesem Tag musste ich umziehen und die kompletten Möbel in den vierten Stock tragen. Grandiose Idee. Zum Glück stand der Urlaub vor der Tür. Vier Tage nach dem Umzug ging es für uns mit zwei Freunden nach Mallorca. Sonne, Strand und Meer – Ihr findet unsere Artikel zu unserem Urlaub hier. Nach 7 Tagen Mallorca flogen Daniel und ich nach Barcelona. Für vier weitere Tage konnten wir die herrliche spanische Wärme genießen, die leckeren Tapas essen und die herrlichen Altbauten bewundern. Zurück im Alltag war ich dann ab dem September ein Münchner. Zuerst ein befremdliches Gefühl – Ein Neuanfang, der Sprung ins kalte Wasser – in einer neuen und fremden Stadt, doch durch den Rhythmus des Arbeitsalltags hatte sich schnell eine Routine eingefunden.

Welcome to Work-Life

Viel Freizeit hatte ich fortan nicht mehr. Von morgens bis abends im Büro zu sitzen, Dinge zu organisieren und die anfallenden Aufgaben zu erledigen verlangte gerade am Anfang des Praktikums viel Kraft von mir. Es ist einfach ein großer Unterschied einmal die Woche, während des Studiums zu arbeiten oder doch jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Schnell verflogen die letzten Sommertage und der goldene Herbst. Viele schöne und erlebnisreichende Wochenende kann ich auf meinem Konto verbuchen. Doch wie es nunmal so ist, hat mich der Arbeitsalltag fest im Griff. Die Zeit verfliegt wie im Fluge, man lernt die ruhigen Momente nach dem Arbeiten zu schätzen und freut sich auf das kommende Wochenende, an dem ein Stückchen Studenten-Leben zurückkommt. Ich will nicht nur negativ über mein Work-Life schreiben, denn ich empfinde es gar nicht negativ. So im Rückblick fällt mir nur auf, dass sich unter der Woche alles gleich anfühlt. Ja es fühlt sich gleich an, aber irgendwie mag ich dieses Gefühl der Routine. Es fühlt sich erwachsen an.

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